Auf der Buga 1985 in Berlin wurden 25 uralte Kopfweiden gepflanzt. Diese Kopfweiden stammten vom Niederrhein und sollten gefällt werden. Um sie zu retten, wurden sie auf Tiefladern nach Berlin verfrachtet. An was erinnert mich das nur???
Ich habe meinen Mann nach Berlin geschleppt, da die Buga für mich als frischgebackene Landschaftsgärtner Gesellin ein Muss war und ich die Kopfweiden sehen wollte. Ganz ehrlich, wir haben viel gesehen, war wunderschön, nur die Kopfweiden haben wir auf dem etwa 90 ha großen Gelände nicht gefunden.
Natürlich wollte ich ab diesem Zeitpunkt auch eine Kopfweide. Schon wegen meiner ökologischen Grundeinstellung.

Musste man doch als Landschaftsgärtnerin oftmals Dinge tun, die nicht besonders umweltfreundliche waren. Als ich Azubi war, wurden Straßenböschungen zwar mit dem sogenannten Straßenbegleitgrün, eine Mischung aus Kartoffelrosen, Faulbaum, Pfaffenhütchen, wolliger Schneeball, gemeiner Schneeball, Hainbuchen, Hundsrosen und vielen anderen Sträuchern, je nach Standort, bepflanzt.
Um den kleinen Sträuchern das Großwerden zu erleichtern, wurde vorhandenes Unkraut einfach mit Herbiziden gespritzt. Es war eine grausige Arbeit. An einem Galgen hingen Schläuche mit Spritzdüsen und der Landschaftsgärtner kraxelte durch die Böschung und sprühte das Umfeld um den Strauch ein. Man trug Regen-Arbeitskleidung, sonst wäre man am Ende des Arbeitstages vom Spritzmittel durchnässt gewesen. Und man musste höllisch aufpassen, dass man die Sträucher nicht mitbesprühte. Alle grünen Pflanzenteile, die von dem Unkrautvernichtungsmittel befeuchtet wurden, nahmen das Gift auf und transportierten es in die Wurzeln der Pflanze und brachten sie zum Absterben. Zum Glück war ich nur einmal bei so einem Arbeitsauftrag dabei, denn langsam stellten die Straßenbauämter auf eine umweltfreundlichere Methode um.
Die Zwischenräume zwischen den Sträuchern wurden mit Stroh gemulcht und dann einmal pro Jahr mit der Sense das nachwachsende Gras abgemäht. Das bedeutete zwar immer noch, dass wir an den Böschungen rumkraxelten, aber wenn man sich mal an das schiefe Gehen gewöhnt hatte, und vor allem gelernt hatte mit der Sense umzugehen war das Ganze eigentlich eine schöne Arbeit. Kein lästiges Bücken, wie beim Unkrautjäten und in der Regel konnte man auch nebenbei mit dem Kollegen eine Reihe weiter unten oder oben gemütlich ratschen. Elektrische Motorsensen wurden nicht eingesetzt, da die Ausfallzahlen zu hoch waren. Mit der normalen Sense gingen wir weit feinfühliger um.
Als ich zum ersten Mal auf eine solche Baustelle mitfuhr und mich bei meinem Meister erkundigte, was wir denn heute machen werden, nachdem ich auf den Ladeflächen unseres Firmenautos nur Sensen liegen sah, sagte der Meister: heute mähen wir eine Straßenböschung mit der Sense aus. Etwas blass um die Nase meinte ich, dass ich das ja gar nicht könnte. Seine Antwort nur: ja deshalb bist du ja dabei.
Ja und ich habe es gelernt, auch wenn mir am Anfang die Kollegen nach jeder Reihe die Sense wetzten, da ich regelmäßig die Schneid stumpf wetzte. Aber auch das habe ich irgendwann hinbekommen.

Nur Dengeln, also das dünne Aushämmern der Schneide, kann ich bis heute nicht. Ja und eigentlich wollte ich was über Kopfweiden erzählen, nun da werdet ihr wohl im Juni wieder vorbeischauen müssen.
eure Gitti
Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download