Gitti’s Gartentipp September 2022

Als Azubi war ich auf einer Baustelle in München zum Unkraut jäten eingeteilt. Gut es gibt spannenderes für Landschaftsgärtner als mannshohe Melde, tiefwurzelnden Löwenzahn oder in Sträuchern verwobene Zaunwinde aus Pflanzflächen zu rupfen. Aber die Pflege gehört halt mal mit zur Stellenbeschreibung. Aber dann kam eine nicht mehr ganz junge Frau mit einem genervten Knaben vorbei. Offensichtlich eine Oma die ihren Enkel von der Schule abgeholt hatte. „Siehst du“, nörgelte die Oma, „so ist das, wenn man nicht lernt, dann muss man sein Geld auf diese Weise verdienen!“

Kurz war ich versucht das fragwürdiges Erziehungskonzept der Frau zu torpedieren und ihrem Enkel von meinem Abiturabschluss zu erzählen, aber dann dacht ich mir ach was lass sie dumm sterben. Man wird nicht Gärtner, weil man zu dumm für „anständige“ Berufe ist.

Wir Gärtner leiden oft unter diesem Vorurteil. Deshalb neigen wir dazu mit botanischen Namen und sonstigen Fremdwörtern um uns zu werfen. Zum Beispiel, der „Invasive Neophyt“. Invasiv kommt aus dem Lateinischen und heißt einfallen, eindringen.  „Neo“ kommt aus dem Griechischen und heißt neu, frisch. Und die Silbe „phyt“ kommt ebenfalls aus dem Griechischen und bedeutet vereinfacht Pflanze.

Als Neophyten werden Pflanzen bezeichnet die nach 1492 (Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus) vor allem aus der Neuen Welt nach Europa eingeführt wurden. Zum Beispiel Tomaten, Mais oder Kartoffeln. Mit Invasiven Neophyten sind also die Pflanzen aus anderen Kontinenten gemeint, die in Europa regelrecht eindringen, es erobern und sich unkontrolliert ausbreiten und vor allem heimische Pflanzen verdrängen, die dann unseren heimischen Insekten nicht mehr zur Verfügung stehen.

Zum Beispiel das Springkraut oder der Schmetterlingsflieder. Sie sind aus den Hausgärten ausgebrochen und vermehren sich unkontrolliert. Auch die kanadische Goldrute gehört dazu. 

Das Ganze funktioniert auch andersherum. Geranium robertianum, das bei uns heimische Rupprechtskraut, wurde nach Nordamerika eingeschleppt und gilt dort als Invasiver Neophyt.

Viele Pflanzen werden von unseren Insekten inzwischen auch angenommen, aber zum Beispiel die Ambrosia, durch Vogelfutter verbreitet, stellt eine große Gefahr dar. Ihre Pollen führen bei vielen Menschen zu schweren allergischen Reaktionen. Oder das Herkuleskraut, das sich momentan im Landkreis wieder ausbreitet. Es ist phototoxisch (ha schon wieder so ein schönes Wort) und führt bei Berührungen in Verbindung mit Sonnenlicht zu schweren Verbrennungen.

Als Gärtner tragen wir die Verantwortung die Ausbreitung solcher Pflanzen einzuschränken. Durch rechtzeitigen Rückschnitt vor der Samenreife, Verzicht, solche Pflanzen im Garten zu verwenden, Aufklärung unserer Mitmenschen und vor allem durch frühzeitiges Jäten.

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp August 2022

Schon der 4. August und noch kein Gartentipp in Sicht. Was soll ich denn meinen Gartlerkollegen raten? De facto gibt es keinen Garten mehr. Gartenfrust statt Gartenlust. Wenn ich in den frühen Abendstunden mit Gießkannen bewaffnet, um wenigstens die Gemüsehochbeete zu retten, in den Garten gehe, verströmt er einen Hauch von Toskana Ende August. Staubtrocken, braun, die Wiese mit raschelndem Laub bedeckt und Hitze verströmend – nur ohne Meer halt.

Keine Gies-Strategie kann meine Pflanzen retten, wenn die Umgebungsluft fast 40 °C hat und der rotlaubige Fächerahorn praktisch verdampft.

Heute in den Radionachrichten die Meldung, dass in München eine 50jährige Robinie so ganz ohne Grund einfach umgefallen ist. Ha! Ohne Grund. Wenn ich meinen Mann in ein gut gefülltes Bierzelt auf dem Oktoberfest setze, links und rechts 2 Kumpels Marke Gewichtheber und in 16 Tagen bekommt er 2 Maß Bier, dann fällt der auch von der Bank. Wenn er denn nicht zwischen den Gewichthebern eingezwickt ist.

Was ich damit sagen will, ein Baum mit intensivem Wurzelsystem in eine Baumgrube mit 3 Kubikmeter Inhalt und einem trockenen Klima wie seit etwa 2003 (für mich einer der ersten Horror-Hitze-Sommer) dahinvegetieren lassen???? Was erwarte ich von dem, dass er munter Sauerstoff für uns produziert und hübsch am Straßenrand steht??? Es ist zu befürchten, dass nun die Rufe nach vorsorglichen Fällaktionen laut werden. Dabei ist jeder Baum, ja jede Pflanze eine Hilfe das heiße Stadtklima ein wenig abzukühlen.

Gerade habe ich im hintersten Winkel in einem Trog noch etwas Regenwasser gefunden. Damit gieße ich meine Rhododendren der Sorten „Brigitte“ und „Blue Peter“. Leitungswasser würde sie genauso eingehen lassen wie die Hitze. So haben sie jetzt noch 25 Liter Gnadenfrist. Immerhin solls morgen regnen. Nur Wo???

Das traurige an der Situation, selbst wenn wir ab sofort so klimaneutral wie irgendwie leben, die positiven Auswirkungen werde ich nicht mehr Erleben. In frühestens 50 bis 60 Jahren würde sich das Klima wieder drehen. Aber mich würde ja die Hoffnung für unsere Nachkommen schon trösten.

Mein Mann holt jedenfalls Angebote bei Brunnenbauern, Zisternenherstellern und Bewässerungsanlagenbauern ein. Volles Programm.

Ich will die nächsten 20 Jahre nur ungern auf Phlox und Co. Verzichten. Ich werde stattdessen weniger baden, Wäsche waschen … Naja meine sozialen Kontakte würden wahrscheinlich weniger werden, aber das sind wir ja seit Corona gewöhnt …

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp Juli 2022

In meinem Garten blüht zurzeit eine Staude, von der weiß ich nicht genau wie sie heißt und auch nicht, ob ich sie gekauft oder geschenkt bekommen habe. Das irritiert mich immer etwas, ich habe da mehrere Kandidaten, die nicht genau bestimmbar sind. Was mache ich, wenn ein Besucher kommt und den Namen wissen will und ich kann nur mit den Schultern zucken. Das knabbert an meiner Berufsehre.

Die besagte Pflanze logierte in meinem Garten unter Riesenalant. Vor kurzem brachte mich ein Artikel in der „Gartenpraxis“ dazu diese Namensgebung zu überdenken. Das Adjektiv riesig passt zwar sehr gut zu ihr – sie wird deutlich über 1,50 m hoch – aber laut den Bildern in besagter Zeitung handelt es sich eher um den Großblütigen Scheinalant oder korrekter die Telekie. Dafür sprechen die herzförmigen, teilweise mehr als 30 cm großen Blätter. Ganz typisch für die Telekie ist, dass ihre Blätter den Stängel umfassen. Und im Gegensatz zum echten Alant ist die Blattunterseite nicht behaart.

Von Juni bis August blüht sie mit großen orangegelben Blüten, die deutlich ihre Zugehörigkeit zur Familie der Asteraceae (Korbblütler) anzeigen.

Trotz ihrer Höhe ist sie sehr standfest und liegt auch nach schweren Gewittern nicht im Beet herum. Sie toleriert bei mir im Garten auch leicht schattige Plätze, fühlt sich aber in der Sonne wohler. Und dort ist sie bei Schmetterlingen und Bienen sehr begehrt.

Laut Internet sollte der Boden nicht austrocknen. Bei mir im Garten hat sie aber die letzten heißen Sommer gut weggesteckt. Wahrscheinlich wegen des leicht schattigen Standortes.

Die Telekie macht eine gute Figur als Leitpflanze im Beethintergrund. Sie unterdrückt Nachbarn durch ihren mächtigen Wuchs, deshalb eignen sich besonders frühblühende Pflanzen wie Schneeglöckchen oder Lungenkraut, die nach der Blüte einziehen zur Unterpflanzung.

Die Pflanze vermehrt sich durch Samen oder Teilung des Rhizoms im Frühjahr. Wer die Samenvermehrung eingrenzen will sollte die Blütenstände im Herbst rechtzeitig abschneiden. Allerdings sind diese auch während des Winters eine Zierde im Garten. Dann muss man im Frühjahr unerwünschte Sämlinge jäten. Ein kritischer Blick über den Gartenzaun sollte auch die Ausbreitung außerhalb des Gartens minimieren. Offiziell steht sie unter Beobachtung, da noch nicht sicher ist, ob sie als invasiver Neophyt eingestuft werden sollte.

Da im Internet auf mögliche Allergien hingewiesen wird, sollte man sich im Einzelnen überlegen, ob diese Pflanze zum Gärtner passt.     

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp Juni 2022

Was machen sie gegen Blattläuse? Das war eine der Fragen bei meiner mündlichen Gärtner Gesellenprüfung. Diese Frage wird mir aber auch auf diversen Grill-, Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern gestellt, wenn ich so unvorsichtig war zu erzählen, dass ich Gärtnerin bin.

Meine Antwort bei der Prüfung war:

  1. Chemisch durch ein Insektizid namens Spruzit
  2. Biologisch durch Brennnesselbrühe oder Schmierseife
  3. Mechanisch durch Zerdrücken oder mit einem scharfen Wasserstrahl abspülen

Meine Prüfer waren zufrieden. Ein Mitprüfling kam weniger glimpflich davon. Sie antwortete, dass für sie nur Brennnesselbrühe in Frage käme. Die Prüfer wollten daraufhin genau wissen, wieviel Gramm Brennnessel man für 1 l Brühe benötigt, wenn die Brühe eine 2% Konzentration erfordert. Man sollte immer überlegen was man denn genau antwortet. Meine Antwort auf besagten Feiern wäre nämlich ehrlicherweise: NICHTS. GAR NICHTS

Auf einer Gartenpfleger-Weiterbildung habe ich nämlich gelernt, dass Blattläuse z.B. von Meisen gefressen werden. Das habe ich auch schon persönlich beobachtet. Oder von Wespen. Richtig gehört. Eine Freundin hatte einen jungen Zwetschgenbaum, der wirklich enorm von Blattläusen befallen war. Durch das Saugen der Läuse verkrüppeln die jungen Triebe. Deshalb war ein Eingreifen dringend nötig.

Nach Nennung der obigen 3 Punkte beschlossen wir einen Versuch mit Brennnesselbrühe zu machen. Nach der etwa 3-wöchigen Herstellungsdauer fanden wir allerdings keine Läuse mehr. Da erinnerte ich mich, dass ich bei der ersten Besichtigung jede Menge unterschiedliche gelb-schwarz gestreifte Insekten gesehen hatte. Und dazu konnten wir bei der 2. Besichtigung viele Marienkäferlarven identifizieren. Man sollte also der Natur einfach vertrauen und ihr Zeit geben sich selbst zu regulieren. Die verkrüppelten Zweige haben wir zurückgeschnitten und im Folgejahr hat es sich ausgewachsen.

In manchen Notfällen, wenn eine besonders schöne Rosenknospe mit Blattläusen übersät ist greife ich mit einem alten Handschuh bewaffnet zur mechanischen Methode und streife die Läuse vom Stiel ab. (ich weiß, Gärtner sind grausam). Eine ganz coole Methode (falls kein Handschuh in der Nähe ist): man kann die Rosenknospe mit dem Finger anschnipsen – in Bayern sagt man Hirnbazl dazu. Durch den Schwung, den die Knospe bekommt, fliegen die Läuse zu Boden und das überleben die allermeisten nicht.

Bei einer Freundin habe ich diesen „Trick“ mal ganz cool vorgezeigt. Mein Hirnbazl war leider ein wenig zu fest, deshalb flog die Knospe gleich den Läusen hinterher. Furchtbar peinlicher Moment.      

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp Mai 2022

Heute treffen wir uns mit dem Kreisfachberater des Landkreises Erding Michael Klinger. Mal schaun was er uns zum Thema Gartenzertifizierung zu erzählen hat.

Anmerkung des Redakteurs: das Bild stammt aus dem Jahr 2016 (!)

Brigitte: Griaß di Michael, jetzt geht’s ja dann bald los mit der Gartenzertifizierung.  Eine Initiative des Bayrischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege, der LWG, Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landesvereinigung Gartenbau Bayern. Kannst du uns mal erklären, um was es dabei geht?

Michael: Griaß di Brigitte, ja gern. Bei der Naturgartenzertifizierung sollen Gartenanlagen ausgezeichnet werden, die mehr als grün sind. Im Garten soll für Insekten und Vögel ein Paradies sein, in dem sie Futter und Nistplätze finden. Dazu gehört zum Beispiel auch ein wildes Eck, in dem nicht alles ordentlich aufgeräumt ist, wie Totholz- oder Steinehaufen. Und auch mal der eine oder andere Quadratmeter Brennnessel.

Brigitte: Und da fahren wir dann hin und wenn s an guten Kaffee gibt dann Daumen hoch oder wie?

Michael: Nein natürlich liegts nicht am Kaffee. Es gibt genaue Vorgaben auf einem Bewertungsbogen. Da sind, wie zum Beispiel das wilde Eck auch klar vorgegeben, dass möglichst viele verschiedene Blühpflanzen und heimische Sträucher im Garten vorhanden sein sollen. Bei Pflanzerde soll auf Torf verzichtet werden und auch ein paar Gemüsebeete wären von Vorteil, daran erkennt man wie wichtig dem Gartenbesitzer gesunde Ernährung ist und auf diese Weise schont man auch das Klima, da der Transportweg aus dem eigenen Garten einfach der kürzeste ist.

Brigitte: Dann darf in so einem Naturgarten natürlich auch kein Roundup oder ähnliche chemische Pflanzenschutzmittel verwendet werden?

Michael: Ja auf keinen Fall. Das Zulassen von Wildkraut gibt explizit Punkte.

Brigitte: Ich hab gelesen, dass im Bewertungsbogen auch Punkte für meine geliebten Laubbäume gibt?

Michael: Richtig, Laubbäume sind wichtig, da sie in heißen Sommern die Umgebungsluft kühlen. Im Winter, ohne Blätter kommen die Sonnenstrahlen durch. Im Gegensatz zu immergrünen Gehölzen. Aber es muss ja nicht gleich ein riesiger Baum sein. Auch Großsträucher oder kleine Obstbäume erfüllen diesen Zweck. Hauptsache ungefüllte Blüten. Nur diese führen Nektar und Pollen und sind so insektenfreundlich.

Brigitte: Und was bekommt man dann, wenn die Prüfung bestanden ist?

Michael: Eine tolle Plakette für den Gartenzaun und vor allem das Wissen, dass der eigene Garten ein gesunder Lebensraum für alle Lebewesen ist.

Brigitte: Ja und wir hoffen dann, dass möglichst viele Nachbarn auch so eine Plakette wollen und ihren Garten nach den Naturgartenrichtlinien bewirtschaften.

Vielen Dank Michael für das Interview und ich freu mich schon auf die Zertifizierung.

Übrigens, wer mitmachen möchte findet auf der Webseite www.gartenbauvereine.org Hinweise zum richtigen Ansprechpartner. Oder man wendet sich an seinen örtlichen Gartenbauverein oder den Kreisfachberater seines Landkreises.

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp April 2022

Wir Gärtner sind Enttäuschungen und Rückschläge gewöhnt. Seien es die von Schnecken weggefressenen Salatpflanzerl oder die blattlausverseuchten Rosenblüten. Meist schütteln wir bedauernd den Kopf kaufen neue Pflanzerl, erwägen den Kauf von Schneckenenten und spülen die Läuse mit einem scharfen Wasserstrahl von den Rosen.

Auch für mich gab es ein böses Erwachen, als ich vor kurzem in einem Beet den Phlox inspizierte. Als ich von den frischen Trieben Blätter und Moos entfernte, hielt ich den gesamten Wurzelballen, beziehungsweise die Reste, in der Hand. Unsere Wühlmausbeauftragte Fräulein Katze war wohl im Winter ein wenig zu oft auf dem Sofa gelegen, jedenfalls war der Wurzelstock komplett weggefressen. Typische Wühlmausarbeit.

Nach dem Anheben des Restwurzelballens war darunter auch ein Gang von der Größe des Leuchtenbergtunnels in München zu finden.

Was tun? Ist der Phlox nun hin? Oder???

Mit behandschuhten Händen greife ich in den Wühlmausgang und breche ihn auf. So verfolge ich den Gang soweit möglich. Dabei entdeckt man eventuell weitere geschädigte Pflanzen. Findet es wer zu grauslig mit der Hand in den Gang zu greifen, kann man den Boden auch mit der Rosengabel lockern. Die ist sehr schmal und dadurch sehr wendig. In den so gelockerten Bereichen graben die Wühlmäuse in nächster Zeit nicht so gerne.

Dann widme ich mich dem Wurzelstock. Er wird in fein krümeliger Erde so tief neu gepflanzt, dass er grade noch so aus der Erde spitzt. Dann gut angießen und die nächsten Wochen öfter mit der Gießkanne vorbeischauen. Gedüngt wird erst später, wenn der Neuaustrieb gut erfolgt ist, da die neuen feinen Wurzeln vom Dünger (besonders mineralischer) geschädigt werden könnten.

Zur Sicherheit setzte ich in die Nähe des Phloxes ein paar Knoblauchzehen. Diese blühen recht ausgefallen und die Wühlmäuse meiden sie.

Wurzelstöcke, die nicht frisch eingesetzt werden, vertrocknen nach kürzester Zeit. Das ist mir mal mit Herbstastern passiert. Da Astern einen sehr festen Wurzelstock bilden, fällt es nicht auf, wenn untenrum die Wurzeln abgenagt wurden. Aus diesem Grund klopfe ich im Frühjahr mit der Grabgabel auf die Wurzelstöcke und wenn ich ein hohles Geräusch höre, grabe ich nach, ob darunter ein Wühlmausgang ist.

Natürlich könnten die Verursacher dieser Gänge auch Maulwürfe sein. Aber Nagespuren sind ganz klar nur den Wühlmäusen zuzuordnen. Die Gänge zerstöre ich in jedem Fall, da Stauden über Gängen vertrocknen.

Wir erwägen jetzt eine weitere Katze anzustellen, um unser etwas älteres Fräulein zu entlasten.

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp März 2022

Noch einmal möchte ich das Thema passender Baum am passenden Ort aufgreifen:

Letzten Winter kam der Pfarrgemeinderat einer Nachbargemeinde auf mich zu, sie doch bei einer Baumauswahl zu beraten. Sechs über 30 Jahre alte Platanen wurden wie einst Bruno der Bär zum Problem. Die Wurzeln verursachten auf dem Platz vor dem Pfarrheim massive Verwerfungen im Pflaster. Was zu bösen Stürzen der Besucher führen könnte. Außerdem war zu erwarten, dass die Wurzeln Schäden an der Friedhofsmauer und im Friedhof verursachen würden.

Im Pfarrhof finden Sommerfeste und unter anderem auch der Adventsmarkt statt. Der Architekt hatte wohl die Idee eines Platzes, der wie in Italien von den mächtigen Kronen romantisch beschattet wird. Das wurde auch nach über 30 Standjahren wunderschön erreicht, aber wie gesagt der Bodenbelag und damit die Sicherheit litt, da Platanen als Herzwurzler neben großen nach unten wachsenden Wurzeln auch starke flache Wurzeln besitzen. Und da wurde das Thema Blätter noch gar nicht erwähnt.

Die Platanen sollten also weichen. Aber was pflanzt man dann?

Ich schlug mehrere Bäume vor. Sieger war letztendlich die gefüllt blühende Vogelkirsche Prunus avium `Plena`.

Sie ist ein Tiefwurzler, hat wesentlich kleinere und leichter verrottende Blätter als die Platane. Sie ist heimisch und blüht im Frühling, setzt aber wegen der Blütenfüllung keine Früchte an. Was Wespen fernhält und Flecken auf dem Pflaster vermeidet (siehe Sommerfest). Sie wird 10 bis 15 Meter hoch, was in einigen Jahren auch zu einem stattlichen Erscheinungsbild führen wird.

Man mag monieren, dass Bienen an einer gefüllten Blüte keine Freude haben werden. Aber ich denke in diesem Fall gab ich mich mit der Tatsache, dass die Bäume wenigstens Sauerstoff und Schatten erzeugen werden, schon zufrieden. Und da die Vogelkirschen so viele Voraussetzungen erfüllten, werden sie hoffentlich in 30 Jahren nicht wieder gefällt.

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp Februar 2022

Ich hätt so gerne Tinder, ihr wisst schon, die Handy-App die einem Vorschläge für Dates macht. Je nachdem ob Er oder Sie zu einem passt, also ein Match entsteht, wischt man nach links oder rechts und schon hat man ein Rendezvous. Nur, dass ich das statt mit Menschen gerne mit Bäumen tindern würde. Und das würde ich dann zur Pflicht machen, für Architekten oder Bauherren oder andere Entscheider.

Vielleicht würden diese dann passendere Matches für ihre Bauvorhaben finden. Leider muss man oft gegenteilige Erfahrungen machen. Meist ist es Vorschrift, eine bestimmte Anzahl Bäume, die auch schon eine gewisse Größe haben sollen, bei Neubauten zu pflanzen. Da fällt die Wahl oft auf den Bergahorn, da er sehr günstig in der Anschaffung ist. Ein etwa 2 – 2,5 Meter hoher Bergahorn schlägt mit etwa 27 Euro zu Buche, während als Alternative zum Beispiel der Kugelahorn bei gleicher Größe für etwa 2.500 Euro zu haben ist.

Im Vergleich zum etwa 6 Meter hoch werdenden Kugelahorn wird der  Bergahorn 40 m hoch, also ein Gehölz, das nur sehr wenige Hausbewohner vor dem Wohnzimmerbalkon wollen. Von der Masse an Blättern im Herbst ganz zu schweigen.

Die Folge ist, dass der Baum künstlich durch massive Schnittmaßnahmen klein gehalten wird. Oder nach wenigen Jahren eine komplette Fällung droht.

Wird ein Baum durch ständigen Schnitt „Klein gehalten“, wehrt er sich durch verstärktes Wachstum, weil er ja ein genetisches Programm zu erfüllen hat. In seinen Zellen sind nun mal 40 Meter gespeichert. Werden dann außerdem noch dicke Äste zurückgeschnitten, weckt man an dieser Stelle viele schlafende Knospen. Die Folge ist ein besenartiger Wuchs. Und die Äste in so einem Besen nehmen sich irgendwann gegenseitig den Platz. Das Ergebnis, es werden Äste unkontrolliert ausbrechen. Man muss also bald wieder zur Säge greifen, um Unfälle zu vermeiden. Der vermeintlich „billige“ Baum führt zu einem hohen Arbeitsaufwand und viel Stress mit den Hausbewohnern. Und der ökologische Nutzen, der durch den Baum erreicht werden sollte? Minimal!

Hätte der Architekt mal Baum getindert. 

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp Januar 2022

Ein „Gutes Neues Jahr“ wünsch ich euch. Noch liegt es vor uns, sauber und neu wie frisch gefallener Schnee. Tja Schnee. Wo bleibt er nur. Ich liebe es, wenn die Natur so ordentlich von einer weißen Flockendecke verhüllt ist. Kein mahnender Löwenzahn, der ausgerissen werden möchte, keine vergessenen Laubblätter auf den Rasenflächen und die übrig gelassenen Rosenknospen mit Schneemützchen bedeckt, so dass sie auch in diesem Zustand ein Schmuck für den Garten sind.

Gnädig sind sie diese Schneeteppiche, entbinden sie doch uns Gartler im Garten rum zu werkeln. Ein klarer Hinweis auf: PAUSE

Und noch einen Vorteil hat die weiße Pracht, man muss Gärten, die ihren Namen nicht verdienen, nicht mehr anschauen…. Kiesgärten!!!

Vermeintlich pflegeleicht, schütten sogenannte Gartlerkollegen große Flächen in ihren Gärten mit Kies zu. Eine mehr oder weniger dichte Folie/Vlies hindert die aufgehäuften Kiesel und jeglichen Art von Schotter daran, vor Scham im Boden zu versinken. Schade um die Flächen, die mit einer extensiven Blumenwiese oder Staudenbepflanzung von großem ökologischen Nutzen sein könnten. Ist bestimmt weniger Arbeit als diese Schotterflächen.

Es hilft nur Aufklärung und mit gutem Beispiel vorangehen.

Und wenn ihr mal einen besonders grauenhaften Garten seht, dann wendet euch mit einem Bild an Ulf Soltau. Der sammelt diese Bilder. Ursprünglich über Facebook verbreitete er Bilder von Gärten des Grauens. Inzwischen hat er drei Bücher herausgegeben und versieht Bilder, die ihm zugeschickt werden mit verrückten Kommentaren. Man kann die Sache auch mit Humor nehmen.

Ich verschenke solche Bücher gerne an gefährdete Personen oder lasse sie wie „zufällig“ bei mir im Haus herumliegen, wenn Besuch kommt.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gutes 2022. Bin gespannt was es uns bringt. Ostern wahrscheinlich Schnee, da wir Weihnachten keinen hatten. Aber das hindert uns Gärtner nicht unsere Träume umzusetzen.

Servus eure
Gitti

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Gitti’s Gartentipp Dezember 2021

Wo waren wir stehen geblieben?…. Ach ja bei Abies procera `Glauca`. Warum hat die Silber- oder auch Edeltanne jetzt 3 Namen?

Der dritte Namen bezeichnet die Sorte oder Cultivar. Das heißt, dass es von der Silbertanne noch eine Sorte gibt, bei der in diesem Fall die silbrig blaugraue Nadelfarbe besonders gut ausgeprägt ist. Man könnte das mit einer menschlichen Familie, z.B. den Müllers vergleichen: Gattung Mensch, Art Müller, Sorte `Anton`, `Karin` und vielleicht noch einen `Michael`. Der Sortenname wird immer groß und mit Anführungszeichen oben geschrieben.

Und wer bestimmt jetzt diese Namen? Linne hat damals ja nicht alle Pflanzen der Welt gekannt. Botaniker, Wissenschaftler, Pflanzensammler und Abenteurer durchstreiften den Erdball und entdeckten gewollt oder auch zufällig neue Pflanzen. Auch heute noch werden laufend neue Pflanzen entdeckt oder gezüchtet. Die Entdecker oder Züchter der jeweiligen Pflanze dürfen dann der entdeckten oder gezüchteten Pflanze einen Namen geben.

Wer eine Pflanze entdeckt, beschreibt, zeichnet und presst ein Exemplar und schickt sie zum Beispiel an eine wissenschaftliche Zeitung zur Veröffentlichung. Früher übernahmen das Universitäten oder auch botanische Institute. Als Anerkennung darf der Entdecker an den Pflanzennamen ein Kürzel anhängen, das ihn als Erstbeschreiber ausweist und die Jahreszahl der Erstbeschreibung.

Zum Beispiel die Christrose:  Helleborus niger L.1753

Die Christ- oder Schneerose wurde von Carl von Linne im Jahr 1753  Helleborus niger genannt. Dabei hat er mit dem Wortteil Helle vom griechischen hellein = töten und bora = Speise die Giftigkeit der Christrosen betont. Oder er wollte auf das lateinische (h)elleborosus hinweisen, das soviel wie verrückt bedeutet. Die Nieswurz (noch ein deutscher Name für die Christrose) wurde im Altertum als Medikament für Geisteskranke verwendet. Es war eine psychiatrische Behandlungsmethode Niesen, Erbrechen oder Durchfall mit Hilfe der Nieswurz auszulösen.  Was die giftige Pflanze zur Genüge erfüllte. Der Artname niger beschreibt die schwarzen Rhizome und soll vielleicht zusätzlich vor der tödlichen Giftigkeit warnen.

Ganz schön spannend was in 2 botanischen Namen für Geschichten enthalten sein können. Findet ihr nicht auch.

Gut, dass in unserer Zeit die Blüten der Christrose, mit ihrem wunderschönen, unschuldigen Weiß und der ungewöhnlichen Blütezeit mitten im Winter, ein Symbol für die Geburt eines unschuldigen Kindes, unseres Erlösers Jesus Christus sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern und Gartlern eine friedvolle Weihnachtszeit und hoffe dass wir uns im Neuen Jahr gesund wiedersehen.

Servus eure
Gitti

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