Archiv der Kategorie: Gitti’s Gartentipps


In diesem Blog gibt unsere Vorsitzende
Brigitte Murla Gartentipps.

Gitti’s Gartentipp Juni 2022

Was machen sie gegen Blattläuse? Das war eine der Fragen bei meiner mündlichen Gärtner Gesellenprüfung. Diese Frage wird mir aber auch auf diversen Grill-, Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern gestellt, wenn ich so unvorsichtig war zu erzählen, dass ich Gärtnerin bin.

Meine Antwort bei der Prüfung war:

  1. Chemisch durch ein Insektizid namens Spruzit
  2. Biologisch durch Brennnesselbrühe oder Schmierseife
  3. Mechanisch durch Zerdrücken oder mit einem scharfen Wasserstrahl abspülen

Meine Prüfer waren zufrieden. Ein Mitprüfling kam weniger glimpflich davon. Sie antwortete, dass für sie nur Brennnesselbrühe in Frage käme. Die Prüfer wollten daraufhin genau wissen, wieviel Gramm Brennnessel man für 1 l Brühe benötigt, wenn die Brühe eine 2% Konzentration erfordert. Man sollte immer überlegen was man denn genau antwortet. Meine Antwort auf besagten Feiern wäre nämlich ehrlicherweise: NICHTS. GAR NICHTS

Auf einer Gartenpfleger-Weiterbildung habe ich nämlich gelernt, dass Blattläuse z.B. von Meisen gefressen werden. Das habe ich auch schon persönlich beobachtet. Oder von Wespen. Richtig gehört. Eine Freundin hatte einen jungen Zwetschgenbaum, der wirklich enorm von Blattläusen befallen war. Durch das Saugen der Läuse verkrüppeln die jungen Triebe. Deshalb war ein Eingreifen dringend nötig.

Nach Nennung der obigen 3 Punkte beschlossen wir einen Versuch mit Brennnesselbrühe zu machen. Nach der etwa 3-wöchigen Herstellungsdauer fanden wir allerdings keine Läuse mehr. Da erinnerte ich mich, dass ich bei der ersten Besichtigung jede Menge unterschiedliche gelb-schwarz gestreifte Insekten gesehen hatte. Und dazu konnten wir bei der 2. Besichtigung viele Marienkäferlarven identifizieren. Man sollte also der Natur einfach vertrauen und ihr Zeit geben sich selbst zu regulieren. Die verkrüppelten Zweige haben wir zurückgeschnitten und im Folgejahr hat es sich ausgewachsen.

In manchen Notfällen, wenn eine besonders schöne Rosenknospe mit Blattläusen übersät ist greife ich mit einem alten Handschuh bewaffnet zur mechanischen Methode und streife die Läuse vom Stiel ab. (ich weiß, Gärtner sind grausam). Eine ganz coole Methode (falls kein Handschuh in der Nähe ist): man kann die Rosenknospe mit dem Finger anschnipsen – in Bayern sagt man Hirnbazl dazu. Durch den Schwung, den die Knospe bekommt, fliegen die Läuse zu Boden und das überleben die allermeisten nicht.

Bei einer Freundin habe ich diesen „Trick“ mal ganz cool vorgezeigt. Mein Hirnbazl war leider ein wenig zu fest, deshalb flog die Knospe gleich den Läusen hinterher. Furchtbar peinlicher Moment.      

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp Mai 2022

Heute treffen wir uns mit dem Kreisfachberater des Landkreises Erding Michael Klinger. Mal schaun was er uns zum Thema Gartenzertifizierung zu erzählen hat.

Anmerkung des Redakteurs: das Bild stammt aus dem Jahr 2016 (!)

Brigitte: Griaß di Michael, jetzt geht’s ja dann bald los mit der Gartenzertifizierung.  Eine Initiative des Bayrischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege, der LWG, Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landesvereinigung Gartenbau Bayern. Kannst du uns mal erklären, um was es dabei geht?

Michael: Griaß di Brigitte, ja gern. Bei der Naturgartenzertifizierung sollen Gartenanlagen ausgezeichnet werden, die mehr als grün sind. Im Garten soll für Insekten und Vögel ein Paradies sein, in dem sie Futter und Nistplätze finden. Dazu gehört zum Beispiel auch ein wildes Eck, in dem nicht alles ordentlich aufgeräumt ist, wie Totholz- oder Steinehaufen. Und auch mal der eine oder andere Quadratmeter Brennnessel.

Brigitte: Und da fahren wir dann hin und wenn s an guten Kaffee gibt dann Daumen hoch oder wie?

Michael: Nein natürlich liegts nicht am Kaffee. Es gibt genaue Vorgaben auf einem Bewertungsbogen. Da sind, wie zum Beispiel das wilde Eck auch klar vorgegeben, dass möglichst viele verschiedene Blühpflanzen und heimische Sträucher im Garten vorhanden sein sollen. Bei Pflanzerde soll auf Torf verzichtet werden und auch ein paar Gemüsebeete wären von Vorteil, daran erkennt man wie wichtig dem Gartenbesitzer gesunde Ernährung ist und auf diese Weise schont man auch das Klima, da der Transportweg aus dem eigenen Garten einfach der kürzeste ist.

Brigitte: Dann darf in so einem Naturgarten natürlich auch kein Roundup oder ähnliche chemische Pflanzenschutzmittel verwendet werden?

Michael: Ja auf keinen Fall. Das Zulassen von Wildkraut gibt explizit Punkte.

Brigitte: Ich hab gelesen, dass im Bewertungsbogen auch Punkte für meine geliebten Laubbäume gibt?

Michael: Richtig, Laubbäume sind wichtig, da sie in heißen Sommern die Umgebungsluft kühlen. Im Winter, ohne Blätter kommen die Sonnenstrahlen durch. Im Gegensatz zu immergrünen Gehölzen. Aber es muss ja nicht gleich ein riesiger Baum sein. Auch Großsträucher oder kleine Obstbäume erfüllen diesen Zweck. Hauptsache ungefüllte Blüten. Nur diese führen Nektar und Pollen und sind so insektenfreundlich.

Brigitte: Und was bekommt man dann, wenn die Prüfung bestanden ist?

Michael: Eine tolle Plakette für den Gartenzaun und vor allem das Wissen, dass der eigene Garten ein gesunder Lebensraum für alle Lebewesen ist.

Brigitte: Ja und wir hoffen dann, dass möglichst viele Nachbarn auch so eine Plakette wollen und ihren Garten nach den Naturgartenrichtlinien bewirtschaften.

Vielen Dank Michael für das Interview und ich freu mich schon auf die Zertifizierung.

Übrigens, wer mitmachen möchte findet auf der Webseite www.gartenbauvereine.org Hinweise zum richtigen Ansprechpartner. Oder man wendet sich an seinen örtlichen Gartenbauverein oder den Kreisfachberater seines Landkreises.

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp April 2022

Wir Gärtner sind Enttäuschungen und Rückschläge gewöhnt. Seien es die von Schnecken weggefressenen Salatpflanzerl oder die blattlausverseuchten Rosenblüten. Meist schütteln wir bedauernd den Kopf kaufen neue Pflanzerl, erwägen den Kauf von Schneckenenten und spülen die Läuse mit einem scharfen Wasserstrahl von den Rosen.

Auch für mich gab es ein böses Erwachen, als ich vor kurzem in einem Beet den Phlox inspizierte. Als ich von den frischen Trieben Blätter und Moos entfernte, hielt ich den gesamten Wurzelballen, beziehungsweise die Reste, in der Hand. Unsere Wühlmausbeauftragte Fräulein Katze war wohl im Winter ein wenig zu oft auf dem Sofa gelegen, jedenfalls war der Wurzelstock komplett weggefressen. Typische Wühlmausarbeit.

Nach dem Anheben des Restwurzelballens war darunter auch ein Gang von der Größe des Leuchtenbergtunnels in München zu finden.

Was tun? Ist der Phlox nun hin? Oder???

Mit behandschuhten Händen greife ich in den Wühlmausgang und breche ihn auf. So verfolge ich den Gang soweit möglich. Dabei entdeckt man eventuell weitere geschädigte Pflanzen. Findet es wer zu grauslig mit der Hand in den Gang zu greifen, kann man den Boden auch mit der Rosengabel lockern. Die ist sehr schmal und dadurch sehr wendig. In den so gelockerten Bereichen graben die Wühlmäuse in nächster Zeit nicht so gerne.

Dann widme ich mich dem Wurzelstock. Er wird in fein krümeliger Erde so tief neu gepflanzt, dass er grade noch so aus der Erde spitzt. Dann gut angießen und die nächsten Wochen öfter mit der Gießkanne vorbeischauen. Gedüngt wird erst später, wenn der Neuaustrieb gut erfolgt ist, da die neuen feinen Wurzeln vom Dünger (besonders mineralischer) geschädigt werden könnten.

Zur Sicherheit setzte ich in die Nähe des Phloxes ein paar Knoblauchzehen. Diese blühen recht ausgefallen und die Wühlmäuse meiden sie.

Wurzelstöcke, die nicht frisch eingesetzt werden, vertrocknen nach kürzester Zeit. Das ist mir mal mit Herbstastern passiert. Da Astern einen sehr festen Wurzelstock bilden, fällt es nicht auf, wenn untenrum die Wurzeln abgenagt wurden. Aus diesem Grund klopfe ich im Frühjahr mit der Grabgabel auf die Wurzelstöcke und wenn ich ein hohles Geräusch höre, grabe ich nach, ob darunter ein Wühlmausgang ist.

Natürlich könnten die Verursacher dieser Gänge auch Maulwürfe sein. Aber Nagespuren sind ganz klar nur den Wühlmäusen zuzuordnen. Die Gänge zerstöre ich in jedem Fall, da Stauden über Gängen vertrocknen.

Wir erwägen jetzt eine weitere Katze anzustellen, um unser etwas älteres Fräulein zu entlasten.

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp März 2022

Noch einmal möchte ich das Thema passender Baum am passenden Ort aufgreifen:

Letzten Winter kam der Pfarrgemeinderat einer Nachbargemeinde auf mich zu, sie doch bei einer Baumauswahl zu beraten. Sechs über 30 Jahre alte Platanen wurden wie einst Bruno der Bär zum Problem. Die Wurzeln verursachten auf dem Platz vor dem Pfarrheim massive Verwerfungen im Pflaster. Was zu bösen Stürzen der Besucher führen könnte. Außerdem war zu erwarten, dass die Wurzeln Schäden an der Friedhofsmauer und im Friedhof verursachen würden.

Im Pfarrhof finden Sommerfeste und unter anderem auch der Adventsmarkt statt. Der Architekt hatte wohl die Idee eines Platzes, der wie in Italien von den mächtigen Kronen romantisch beschattet wird. Das wurde auch nach über 30 Standjahren wunderschön erreicht, aber wie gesagt der Bodenbelag und damit die Sicherheit litt, da Platanen als Herzwurzler neben großen nach unten wachsenden Wurzeln auch starke flache Wurzeln besitzen. Und da wurde das Thema Blätter noch gar nicht erwähnt.

Die Platanen sollten also weichen. Aber was pflanzt man dann?

Ich schlug mehrere Bäume vor. Sieger war letztendlich die gefüllt blühende Vogelkirsche Prunus avium `Plena`.

Sie ist ein Tiefwurzler, hat wesentlich kleinere und leichter verrottende Blätter als die Platane. Sie ist heimisch und blüht im Frühling, setzt aber wegen der Blütenfüllung keine Früchte an. Was Wespen fernhält und Flecken auf dem Pflaster vermeidet (siehe Sommerfest). Sie wird 10 bis 15 Meter hoch, was in einigen Jahren auch zu einem stattlichen Erscheinungsbild führen wird.

Man mag monieren, dass Bienen an einer gefüllten Blüte keine Freude haben werden. Aber ich denke in diesem Fall gab ich mich mit der Tatsache, dass die Bäume wenigstens Sauerstoff und Schatten erzeugen werden, schon zufrieden. Und da die Vogelkirschen so viele Voraussetzungen erfüllten, werden sie hoffentlich in 30 Jahren nicht wieder gefällt.

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp Februar 2022

Ich hätt so gerne Tinder, ihr wisst schon, die Handy-App die einem Vorschläge für Dates macht. Je nachdem ob Er oder Sie zu einem passt, also ein Match entsteht, wischt man nach links oder rechts und schon hat man ein Rendezvous. Nur, dass ich das statt mit Menschen gerne mit Bäumen tindern würde. Und das würde ich dann zur Pflicht machen, für Architekten oder Bauherren oder andere Entscheider.

Vielleicht würden diese dann passendere Matches für ihre Bauvorhaben finden. Leider muss man oft gegenteilige Erfahrungen machen. Meist ist es Vorschrift, eine bestimmte Anzahl Bäume, die auch schon eine gewisse Größe haben sollen, bei Neubauten zu pflanzen. Da fällt die Wahl oft auf den Bergahorn, da er sehr günstig in der Anschaffung ist. Ein etwa 2 – 2,5 Meter hoher Bergahorn schlägt mit etwa 27 Euro zu Buche, während als Alternative zum Beispiel der Kugelahorn bei gleicher Größe für etwa 2.500 Euro zu haben ist.

Im Vergleich zum etwa 6 Meter hoch werdenden Kugelahorn wird der  Bergahorn 40 m hoch, also ein Gehölz, das nur sehr wenige Hausbewohner vor dem Wohnzimmerbalkon wollen. Von der Masse an Blättern im Herbst ganz zu schweigen.

Die Folge ist, dass der Baum künstlich durch massive Schnittmaßnahmen klein gehalten wird. Oder nach wenigen Jahren eine komplette Fällung droht.

Wird ein Baum durch ständigen Schnitt „Klein gehalten“, wehrt er sich durch verstärktes Wachstum, weil er ja ein genetisches Programm zu erfüllen hat. In seinen Zellen sind nun mal 40 Meter gespeichert. Werden dann außerdem noch dicke Äste zurückgeschnitten, weckt man an dieser Stelle viele schlafende Knospen. Die Folge ist ein besenartiger Wuchs. Und die Äste in so einem Besen nehmen sich irgendwann gegenseitig den Platz. Das Ergebnis, es werden Äste unkontrolliert ausbrechen. Man muss also bald wieder zur Säge greifen, um Unfälle zu vermeiden. Der vermeintlich „billige“ Baum führt zu einem hohen Arbeitsaufwand und viel Stress mit den Hausbewohnern. Und der ökologische Nutzen, der durch den Baum erreicht werden sollte? Minimal!

Hätte der Architekt mal Baum getindert. 

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp Januar 2022

Ein „Gutes Neues Jahr“ wünsch ich euch. Noch liegt es vor uns, sauber und neu wie frisch gefallener Schnee. Tja Schnee. Wo bleibt er nur. Ich liebe es, wenn die Natur so ordentlich von einer weißen Flockendecke verhüllt ist. Kein mahnender Löwenzahn, der ausgerissen werden möchte, keine vergessenen Laubblätter auf den Rasenflächen und die übrig gelassenen Rosenknospen mit Schneemützchen bedeckt, so dass sie auch in diesem Zustand ein Schmuck für den Garten sind.

Gnädig sind sie diese Schneeteppiche, entbinden sie doch uns Gartler im Garten rum zu werkeln. Ein klarer Hinweis auf: PAUSE

Und noch einen Vorteil hat die weiße Pracht, man muss Gärten, die ihren Namen nicht verdienen, nicht mehr anschauen…. Kiesgärten!!!

Vermeintlich pflegeleicht, schütten sogenannte Gartlerkollegen große Flächen in ihren Gärten mit Kies zu. Eine mehr oder weniger dichte Folie/Vlies hindert die aufgehäuften Kiesel und jeglichen Art von Schotter daran, vor Scham im Boden zu versinken. Schade um die Flächen, die mit einer extensiven Blumenwiese oder Staudenbepflanzung von großem ökologischen Nutzen sein könnten. Ist bestimmt weniger Arbeit als diese Schotterflächen.

Es hilft nur Aufklärung und mit gutem Beispiel vorangehen.

Und wenn ihr mal einen besonders grauenhaften Garten seht, dann wendet euch mit einem Bild an Ulf Soltau. Der sammelt diese Bilder. Ursprünglich über Facebook verbreitete er Bilder von Gärten des Grauens. Inzwischen hat er drei Bücher herausgegeben und versieht Bilder, die ihm zugeschickt werden mit verrückten Kommentaren. Man kann die Sache auch mit Humor nehmen.

Ich verschenke solche Bücher gerne an gefährdete Personen oder lasse sie wie „zufällig“ bei mir im Haus herumliegen, wenn Besuch kommt.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gutes 2022. Bin gespannt was es uns bringt. Ostern wahrscheinlich Schnee, da wir Weihnachten keinen hatten. Aber das hindert uns Gärtner nicht unsere Träume umzusetzen.

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp Dezember 2021

Wo waren wir stehen geblieben?…. Ach ja bei Abies procera `Glauca`. Warum hat die Silber- oder auch Edeltanne jetzt 3 Namen?

Der dritte Namen bezeichnet die Sorte oder Cultivar. Das heißt, dass es von der Silbertanne noch eine Sorte gibt, bei der in diesem Fall die silbrig blaugraue Nadelfarbe besonders gut ausgeprägt ist. Man könnte das mit einer menschlichen Familie, z.B. den Müllers vergleichen: Gattung Mensch, Art Müller, Sorte `Anton`, `Karin` und vielleicht noch einen `Michael`. Der Sortenname wird immer groß und mit Anführungszeichen oben geschrieben.

Und wer bestimmt jetzt diese Namen? Linne hat damals ja nicht alle Pflanzen der Welt gekannt. Botaniker, Wissenschaftler, Pflanzensammler und Abenteurer durchstreiften den Erdball und entdeckten gewollt oder auch zufällig neue Pflanzen. Auch heute noch werden laufend neue Pflanzen entdeckt oder gezüchtet. Die Entdecker oder Züchter der jeweiligen Pflanze dürfen dann der entdeckten oder gezüchteten Pflanze einen Namen geben.

Wer eine Pflanze entdeckt, beschreibt, zeichnet und presst ein Exemplar und schickt sie zum Beispiel an eine wissenschaftliche Zeitung zur Veröffentlichung. Früher übernahmen das Universitäten oder auch botanische Institute. Als Anerkennung darf der Entdecker an den Pflanzennamen ein Kürzel anhängen, das ihn als Erstbeschreiber ausweist und die Jahreszahl der Erstbeschreibung.

Zum Beispiel die Christrose:  Helleborus niger L.1753

Die Christ- oder Schneerose wurde von Carl von Linne im Jahr 1753  Helleborus niger genannt. Dabei hat er mit dem Wortteil Helle vom griechischen hellein = töten und bora = Speise die Giftigkeit der Christrosen betont. Oder er wollte auf das lateinische (h)elleborosus hinweisen, das soviel wie verrückt bedeutet. Die Nieswurz (noch ein deutscher Name für die Christrose) wurde im Altertum als Medikament für Geisteskranke verwendet. Es war eine psychiatrische Behandlungsmethode Niesen, Erbrechen oder Durchfall mit Hilfe der Nieswurz auszulösen.  Was die giftige Pflanze zur Genüge erfüllte. Der Artname niger beschreibt die schwarzen Rhizome und soll vielleicht zusätzlich vor der tödlichen Giftigkeit warnen.

Ganz schön spannend was in 2 botanischen Namen für Geschichten enthalten sein können. Findet ihr nicht auch.

Gut, dass in unserer Zeit die Blüten der Christrose, mit ihrem wunderschönen, unschuldigen Weiß und der ungewöhnlichen Blütezeit mitten im Winter, ein Symbol für die Geburt eines unschuldigen Kindes, unseres Erlösers Jesus Christus sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern und Gartlern eine friedvolle Weihnachtszeit und hoffe dass wir uns im Neuen Jahr gesund wiedersehen.

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp November 2021

Liquidambar styraciflua oder noch besser Metasequoia glyptostroboides.

Nein – das sind keine Zaubersprüche aus Harry Potter. Hier handelt es sich um die botanischen Namen vom Amberbaum und dem Urweltmammutbaum. Und da sind wir schon mittendrin im Thema. Bitte nie und unter keinen Umständen von lateinischen Namen sprechen. Es stimmt, viele Namen haben ihren Ursprung im lateinischen, aber wir Gärtner sprechen hier von botanischen Namen.

Ein Beispiel, der Feldahorn = Acer campestre 

 Beide Namen stammen aus dem lateinischen. Acer heißt übersetzt Ahorn und campestre auf dem Feld wachsend. Es gibt aber auch Namen, die aus dem Griechischen stammen.

Eine nette Mischung ist der Winterling = Eranthis hyemalis. Aus dem griechischen kommt die Vorsilbe Er. Sie bedeutet Frühling, anthos kommt ebenfalls aus dem griechischen und heißt Blume und hyemalis kommt aus dem lateinischen und heißt winterlich. Also eine winterliche Frühlingsblume oder besser eine Blume die zwischen Spätwinter und Frühling erscheint.

Und wer denkt sich sowas aus???

Der Herr hieß Carl Nilsson Linnaeus und lebte in Schweden. 20 Jahre schrieb er an seiner Species plantarum (lat. = Pflanzenarten). Darin wollte er alle bekannten Pflanzenarten beschreiben. Und zwar „nur“ mit 2 Namen. Das sollte genügen meinte er. Einen Gattungsnamen (immer großgeschrieben) und einem Artnamen (immer klein geschrieben). Siehe oben: Acer campestre. Acer ist der Gattungsname und campestre ist der Artname. Und weil es damals üblich war, dass gebildete Leute nicht nur ihre Muttersprache sprachen, sondern auch noch Latein oder Griechisch und vielleicht noch Französisch, verfasste er sein Werk in Latein. Im Jahr 1753 wurde sein Werk veröffentlich und weil er noch einige kluge Bücher geschrieben hat und zum Beispiel auch Professor an der Universität von Uppsala war, bekam er vom schwedischen König ein „von“ für seinen Namen und durfte sich fortan Carl von Linne nennen. Geboren war die Binäre Nomenklatur.

Na, und für was ist sie jetzt gut diese Binäre Nomenklatur? Außer dass sich Generationen von GärtnerAZUBIs damit rumschlagen müssen.

Erstmal wurde dadurch ein großes Durcheinander sortiert, da viele Botaniker die Pflanzen so beschrieben wie sie das für gut befanden und da gab es für ein und dieselbe Pflanze oft mehrere Namen.

Bei Wikipedia findet man für den Acer campestre 124 Namen. Und das sind nur die deutschsprachigen. Das ist nicht weiter wichtig, aber wenn ich eine bestimmte Pflanze erwerben möchte, dann bekomme ich mit dem botanischen Namen genau das was ich möchte. Der Feldahorn wird zum Beispiel, laut Wikipedia, auch als Erle oder Bergahorn bezeichnet und das sind ja andere Bäume.

Viele große Baumschulen, mit denen wir Landschaftsgärtner zusammenarbeiten, haben ihre Produktionsflächen in Norddeutschland und da gibt es ja schon grundsätzlich eine Sprachbarriere…. aber botanisch, da verstehen wir uns perfekt.

Bei einem Urlaub in Frankreich habe ich ein Arboretum (lat. = Baumsammlung) besucht. Ich habe mich wie daheim gefühlt, da alle Namen botanisch angegeben waren. Ich war rundum begeistert. Ein Gärtner kann sich auf der ganzen Welt mit einem anderen Gärtner „unterhalten“, wenn es nur um Pflanzen geht.

Ja und last but not least ( engl. = nicht zuletzt) genießen wir Gärtner es auch ein bisschen mit den botanischen Namen um uns zu werfen, wenn wir sie denn endlich erlernt haben.

In diesem Sinne werde ich dann mal Abies procera `Glauca‘ schneiden gehen. Für den Adventskranz. Moment mal!  Doch noch ein dritter Name? Was bedeutet denn dieses   `Glauca‘???   Ja, dazu komm ich das nächste Mal.

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp Oktober 2021

Nun ist er wieder da, der Herbst, wie immer zu früh, aber unaufhaltsam.

Zum Trost gibt es noch den goldenen Oktober, der mit allem an Farben protzt, denen er habhaft werden kann. Maisgelb leuchten die Blätter des Spitzahorns und auch die Eschen leuchten mit den goldgelben Sonnenstrahlen um die Wette.

Am schönsten färben sich die Blätter, wenn es nachts kalt und tagsüber schön warm ist. Diesem Klima verdanken wir den Indian Summer (Altweibersommer, Nachsommer), der weltweit im Herbst Touristen in die nordöstlichen USA und Kanada strömen lässt. Besonders der Zuckerahorn (Acer sacharinum) und die amerikanische Spitzeiche (Quercus rubra) leuchten um die Wette. Zuckerahorn und Spitzeiche brauchen wie der seit einiger Zeit so beliebte Amberbaum (Liquidambar styraciflua) etwas sauren Boden um gut zu färben.

Aber unser deutscher Altweibersommer braucht sich da nicht zu verstecken, Pfaffenhütchen strahlen mit feuerwehrroten Blättern. Besonders Euonymus alatus (Korkflügel-Spindelstrauch aus Japan und China) hat eine ausgeprägte  fast schon pinke Färbung, wie auch einige der japanischen Fächerahorne und die Felsenbirnen(Amelanchier).

Die Zaubernüsse und Berberitzen können sich nicht recht entscheiden. Es gibt gelb-, rot- und orangefärbende Exemplare. Aber nicht nur Sträucher, auch Stauden beteiligen sich an dem herbstlichen Farbenfeuerwerk: Viele Geranium-Sorten (Storchschnabel) oder die Schlangenknöteriche (Bistorta amplexicaule) zaubern noch farbige Akzente in den Garten, bevor die Nachtfröste alles dahinraffen.

Grund für das Farbenspiel ist der Rückzug und das Einlagern des wertvollen grünen Farbstoffes (Chlorophyll) aus den Blättern in die Wurzeln der Pflanze. Übrig bleiben die roten und gelben Farbstoffe.

Nun lasst uns die goldenen Tage genießen, bevor die Herbststürme alles zu Boden wirbeln.

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.

Gitti’s Gartentipp September 2021

Kürzlich bin ich auf einen Baumkönig gestoßen. Keine Angst das ist kein aus fernen Ländern eingeschleppter Schädling oder unbekannter Speisepilz. Ich habe ihn im Internet gefunden. Auf der Suche nach dem Baum des Jahres, der Stechpalme oder botanisch Ilex aquifolium.

Trotz seines exotischen Aussehens ist der immergrüne Ilex durch und durch heimisch. Er wuchs früher in Laubmischwäldern. Die Gehölze können bis zu 300 Jahre alt werden und in Ausnahmefällen auch fast 15 Meter hoch. Sie lassen sich aber auch in Formen und zur Hecke trimmen und das anfallende Schnittgut wird gerne für weihnachtliche Dekorationen verwendet, da die ledrig dunkelgrünen Blätter lange haltbar sind.

Besonders beliebt ist der rote Fruchtschmuck, der aber wie der Rest der Pflanze leicht giftig ist. Bachblütenverwender kennen die Pflanze unter dem Namen Holly.

Die Blätter sind am Rand mit Stacheln versehen, die vor Tierfraß schützen sollen. Deshalb haben Blätter, die weiter oben wachsen kaum noch Stacheln. Es gibt aber auch Sorten, die ganz glatte Blattränder und weiß- oder gelbbunte Zeichnungen haben.

Das grünliche Holz wurde gerne für Intarsien verwendet. Es gibt noch einen Spazierstock von Johann Wolfgang von Goethe aus Ilex oder Hülse, wie er in Norddeutschland genannt wird. Goethe hat auch die Verwendung von Stechpalmen als Ersatz für echte Palmwedel bei Kirchenzügen am Palmsonntag beschrieben.

Für mich als Gärtner ist der Ilex eine robuste, genügsame Pflanze, die mit schattigen und vom Wurzeldruck anderer Bäume beherrschten Standorten zufrieden ist.

Ach und noch ein Wort zum Baumkönig. Der junge Mann, Student in Weihenstephan, ist Botschafter des Kuratoriums, das den Baum des Jahres kürt. Die Entscheidung für einen Mann wurde getroffen ,um einen  Ausgleich zu den ganzen Apfelköniginnen, Honigprinzessinnen und sonstigen weiblichen Hoheiten zu schaffen.    

Servus eure
Gitti

Diesen Beitrag gibt es auch als PDF zum Download.