August 2026

Raumgreifendes Kleingrün, Beikraut, Spontanvegetation oder Wildkraut. Hinter all diesen Begriffen versteckt sich das ach so ungeliebten Unkraut. Ja dieses Unkraut beschäftigt uns schon ausführlich. Warum muss es überhaupt raus, ist doch ein wesentlicher Punkt der Naturgartenzertifizierung das Zulassen von Beikraut. Für die Gesellenprüfung haben wir folgenden Satz auswendig lernen müssen: Unkraut konkurriert mit den Nutz- bzw. Zierpflanzen um Wasser, Licht, Luft und Dünger. Das wieder aus dem Gärtnerhirn zu bringen? Schwierig.

Aber so tragisch ist Beikraut nicht, wenn es sich nicht um die apokalyptischen Drei Giersch, Ackerschachtelhalm und Ackerwinde handelt. Pardon nicht Ackerwinde, sondern Zaunwinde. Es hat sich nur unter uns gartelnden Menschen eingebürgert, sie Ackerwinde zu nennen. Von diesen dreien ist die Zaunwinde wirklich mein Endgegner, weil sie sich so stark um Pflanzen wickelt, dass diese absterben können. Besonders gerne um Rosen, was die Entfernung wegen der Rosenstacheln noch etwas unangenehmer macht.

Ich möchte euch immer mal wieder meine Strategien gegen lästige Beikräuter, aber auch ein Miteinander vorstellen. Anfangen werde ich mit Potentilla repens, das kriechende Fünffingerkraut oder auch kriechender Gänserich oder Gänsefuß. Gleich vorneweg, das Fünffingerkraut ist lästig aber nicht direkt schädlich für die Kulturpflanzen. Meine Blumenbeete sind dicht bepflanzt, um dadurch dem Unkraut wenig Platz zu geben und dieses verflixte Fünffingerkraut hat da eine fiese Strategie. Es macht einfach einen langen Ausläufer, ähnlich wie bei Erdbeerpflanzen, der über meine Pflanzen hinausragt. Es bilden sich kleine Knoten mit Blättchen und wenn kein freies Stück Erde erkennbar ist, verlängert sich der Ausläufer und bildet einen neuen Knoten, solange bis sich ein neuer Platz zeigt. Dann neigt sich der Ausläufer Richtung Erde und bildet eine neue Wurzel, die etwa 45 cm tief in den Boden reichen kann. Diese Wurzel muss man vorsichtig ausstechen. Geht am einfachsten, wenn der Boden feucht ist (hahah), mit einem spitzen Schäufelchen oder Unkrautstecher. Wenn man nur anzieht, reißt die Wurzel ab und treibt wieder aus. Ich hatte ja mit meinen Auszubildenden einen Longest-Root-Contest (also wer sticht die längste Wurzel aus) geplant, aber die Wurzeln reißen echt leicht und die Geduld der Azubis war kürzer als die Wurzeln. Am leichtesten entfernt man die Ausläufer, die nur locker über den Kulturpflanzen liegen, bevor sie den Boden zum Wurzeln erreichen.

Ohne Stickstoff wächst das Fünffingerkraut eher schlecht. So kann unser Düngeverhalten sein Wachstum beeinflussen. Aber im Blumenbeet wird gedüngt und da zweigt es sich seinen Teil ab.

Das Fünffingerkraut wäre ökologisch sehr wertvoll. Es ist für viele Insekten, etwa 46 Wildbienenarten, diverse Käfer, Fliegen und Schmetterlinge, eine wichtige Nahrungsquelle. Die gefährdete rote Fingerkraut-Sandbiene ist auf den Pollen der Pflanze angewiesen. Also ist es eher ein raumgreifendes Kleingrün, dass in gewissem Maß geduldet werden kann und sollte.

Servus  

eure    Gitti 

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