Juli 2026

Hallo meine lieben Gartlerfreund*innen, ich grüße euch aus meiner verdunkelten Wohnung und komme mir vor wie in einem Endzeitdrama von Steven Spielberg. Von Zeit zu Zeit fächle ich meiner Mäuse fangenden Mitbewohnerin Frischluft zu und sie blickt mich mit ihrem gesunden Auge bittend an: Jetzt mach doch mal die Heizung aus. Bitte wer hat dieses Wetter bestellt. Das kann doch keiner wollen, 38 Grad im Schatten, zumindest keiner der arbeiten muss. Mit Grausen denke ich an meine Kollegen von der Dachbegrünung, die ausgestattet mit Kühlwesten, Kühlkappen und einem Hektoliter Wasservorrat auf den Dächern um eine klimafreundliche Vegetation kämpfen.

Im Schatten stehend ließ ich mir von meinem agrartechnisch bewanderten Nachbarn die Ergebnisse meiner Bodenprobe erklären. Die ich im Übrigen nur ansatzweise verstanden habe, so sehr war mein Körper beschäftigt Schweiß abzusondern. Ich kam mir vor wie ein Perlschlauch.

In weiser Voraussicht habe ich meine Snackgurken, die ich letztes Jahr fast permanent mit dem Sonnenschirm beschatten musste, an die Ostseite des Hauses gepflanzt. Dort haben sie ab etwa 14:00 Uhr den Hausschatten zur Deckung. Die Tomaten stehen ebenfalls ostseitig, die Morgensonne muss ausreichen. Im Süden würde ich ansonsten warm temperierte Tomatensuppe ernten, falls es überhaupt zu ausreichendem Fruchtbehang kommt, weil die Pollen ab etwa 30 Grad und zu viel oder zu wenig Luftfeuchtigkeit verklumpen. Nur Paprika und Chilli stehen noch im Süden vor dem Haus. Die Pflanzen mögen es heiß und sonnig. Nur die Paprikafrüchte bekommen oft Sonnenbrand und faulen dann leicht. Bleiben noch die Chillies, die der Hitze gut trotzen. Aber eigentlich ist mir heiß genug. Ich hoffe ja, dass alle, die sich immer „endlich Sommer“ wünschen, das Essen einstellen, da unsere Ressourcen in diesem Bereich durch die Hitze schwinden wie Eiswürfel im Aperol Spritz.

Im Staudenbeet haben sich in den letzten Jahren bereits Astilben und Phlox weitestgehend verabschiedet. Nur einige hartgesottene Exemplare, die absonnig mit massiver Wasserunterstützung vor sich hinvegetieren, habe ich noch. Blühen wird der Phlox im Halbschatten wohl nicht befriedigend. Und viele Blüten vertrocknen bei fast 40 Grad Lufttemperatur im Schnelldurchlauf, da hilft selbst wässern nicht mehr.

Und dann gibt es Tipps im Radio, was tun gegen die Hitze? Wie passt man sich an um 38 Grad zu überleben? Mit feuchtem Badeanzug durch die verdunkelte Wohnung laufen, Kühlkompressen in den BH legen. Was machen da die Männer? Plantschbecken darf man mancherorts schon nicht mehr befüllen.

Ja an allen Orten wird Anpassung gefordert. Wie etwa Klimaanlagen für öffentliche Gebäude. Das heißt für mich mehr Stromverbrauch, noch mehr Treibhausgase, noch mehr Klimaschaden. Ich halte Anpassung für den falschen Weg. Ich denke, wir müssen unsere Ansprüche runterschrauben, wenn wir einen lebenswerten Planeten an unsere Kinder und Kindeskinder übergeben wollen. Da will ich aber niemandem vorschreiben, was er denn für das Klima tun will. Es gibt so viele Möglichkeiten und da sollten wir kreativ sein, aber es wird wohl nicht ohne Verzicht gehen. Und das fällt unserer ich will Alles-und-zwar-Sofort-Gesellschaft wohl schwer.

Servus  

eure    Gitti 

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