Im August habe ich euch das kriechende Fünffingerkraut vorgestellt, das wir ja mehr als Unkraut, denn als Zierpflanze betrachten. Es gibt aber noch etwas weniger aufdringlichere Verwandte, wie etwa der Fünffingerstrauch (Potentilla fruticosa).

Während meiner Ausbildung wurde dieser oft sintflutartig als Bodendecker im öffentlichen Bereich verwendet. Da er aber den Boden nicht komplett bedeckt, verunkrauteten die Beete und es entstand ein ungepflegter Eindruck. Auch waren die sehr ausdauernd gelb blühenden Monokulturen schlicht langweilig. Besser ist der Fünffingerstrauch als 20 -100 cm kleine Einfassungshecke oder auch als Solitärstrauch, dort könnte er eine ähnliche Struktur in Beete bringen, wie vor Zünslerzeiten der Buchsbaum. Dabei muss man beachten, dass Potentilla nicht immergrün und nicht in Formen schneidbar wie Buchs, aber regelmäßigem Schnitt nicht abgeneigt ist. Und inzwischen sind auch weiß, rosa oder orange blühende Sorten erhältlich. Der kleine Strauch kommt im Süden Europas, im Kaukasus, Asien und Nordamerika vor und ist ziemlich hitze- und trockenheitsresistent. Durch seine lange Blütezeit von Juni bis Oktober dient er etwa 42 Wildbienenarten als Futterquelle und sogar 8 verschiedene Raupen nutzen ihn, auch wenn er nicht als heimisch gilt.
In meinem Garten finden sich noch zwei staudige Potentilla. Es dürfte sich um Potentilla atrosanguinea handeln, genau weiß ich es nicht, da ich die Pflanze geschenkt bekam. Die Blüten haben eine sehr knallige rote Farbe, sind aber eher klein, etwa daumennagelgroß. Die Pflanze ist durch die grau behaarten Blätter ein attraktiver Strukturbildner im Blumenbeet. Und gerade habe ich bei der Suche wegen eines Fotos bemerkt, dass sich die Pflanze in diesem Sommer verabschiedet hat. Schade!

Das zweite Fünffingerkraut hat eine dunkelrosa Blüte und mattgrüne Blätter. Auch bei dieser Pflanze ging der Name leider verloren. Ich denke es ist Potentilla nepalensis, das zu Füßen einer Pfingstrose wächst und dort für sommerliche Blüten sorgt, ohne anspruchsvolle Forderungen an uns Gärtner zu stellen.
Beide Stauden sind bei uns nicht heimisch, gelten aber als bienenfreundlich. Dies ist durchaus kritisch zu sehen, da es mittlerweile beim Käufer einen zusätzlichen Kaufanreiz bietet und deshalb im Verkaufsgartenbau inflationär beworben wird. Fakt ist, das die hier vorgestellten Potentilla Pollen und Nektar für viele Insekten liefern aber etwa für Schmetterlingsraupen nur eingeschränkt als Futterpflanze dienen. In meinen Augen ist es jedoch wichtig, möglichst viele Pollen- und Nektarpflanzen meinen Insekten anzubieten und vor allem auch solche, die so heiße Sommer wie in diesem Jahr einigermaßen überstehen. Vielleicht müssen wir uns damit abfinden, dass sich nicht alle Insekten dem veränderten Klima anpassen werden. Wir müssen uns wohl mit neuen Lebewesen, die durch die wärmeren Temperaturen zuwandern werden, anfreunden, dann wären aber zumindest die Pflanzen schon hier.
Den Namen haben die Fünffingersträucher und -kräuter übrigens, weil ihre Blätter aus 5 länglichen Einzelblättchen zusammen gesetzt sind.
Servus
eure Gitti
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